Marie Ehrsam - Grolimund
27.06.1918 - 08.09.2008
Typ
Biografie
Marie Ehrsam - Grolimund wurde als viertes von sieben Kindern des Adolf und der Elisabeth Grolimund - Flüeler in Himmelried SO geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie ein weiteres Schuljahr in Peltre bei Metz (F). Nach der Heimkehr half sie im elterlichen Haushalt und ab 1936 folgten vier Haushaltlehrjahre in Münchenstein, Freiburg und Lausanne. Weil sie die gewünschte Lehre zur Damenschneiderin nicht absolvieren konnte, besuchte sie viele verschiedene Kurse. Ihr Onkel führte sie als Inspektor einer Lebensversicherungs-Gesellschaft in die Tätigkeit im Aussendienst ein. Unterwegs mit ihrem Velo besuchte sie alle Dörfer im Bezirk Thierstein und Dorneck, half tagsüber den Familien auf dem Feld und schloss am Abend ihre Geschäfte ab. Unter vielen Berufskollegen war sie damals die einzige Frau in diesem Beruf.
1943 heiratete sie Blasius Ehrsam, Posthalter in Gempen. Marie Ehrsam wurde Ehefrau, Mutter, Posthalterin und Bäuerin. Sie verstand es, die damit verbundenen Anforderungen anzunehmen und sich den Aufgaben anzupassen. Sie war eine ausgezeichnete Köchin, Bäckerin, Gärtnerin und strickte oft bis tief in die Nacht. Dem Paar wurden vier Kinder geschenkt. Alle konnten eine gute berufliche Ausbildung absolvieren.
Nach dem frühen Tod ihres Gatten im Jahre 1974 folgte für die noch junge Witwe eine Zeit der Trauer, bis sie sich mit ihrem Los abfinden konnte.
In der Heimatwerkschule Richterswil erlernte sie die Handweberei. Sie liess sich einen Webstuhl bauen und bildete sich weiter in diesem Fach. Sie war fasziniert davon, wie
die feinen Leinen-, Baumwoll- und Seidenfäden, jeder in die richtige Öse eingezogen, ein Gewebe ergeben, das die Weberin oder der Weber selbst bestimmen kann. Eine Webart und ihr Gelingen ist wie ein Bild für das Leben, sagte sie oft.
Ein grosses Projekt war die Anfertigung von fünfzehn Trachtenpuppen. Unter Anleitung von Frau F. Aregger aus Niederdorf BL, einer Trachtenschneiderin, fertigte sie die Trachtenkleidli an. Den kostbaren Schmuck und die Göllerketten liess sie von einem Filigranisten anfertigen. Die Seidenstickerei wurde von einer Trachtenstickerin hergestellt.
Es war ein grosses Ereignis, dass Marie Ehrsam vom 6.-25. Juni 1995 im Kornhaus Burgdorf im Rahmen einer Ausstellung der Schweizerischen Trachtenvereinigung ihre Puppen zusammen mit über 800 Trachtenpuppen ausstellen durfte.
1998 entschied sie sich, ihre Puppen als Legat dem Heimatmuseum in Dornach zu vermachen. Am 11. Mai 2015 wurden die Puppen im Museum Blumenstein in Solothurn als Schenkung des Heimatmuseums in die Sammlung aufgenommen und werden von Zeit zu Zeit ausgestellt.