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Lateinisches Tarockblatt, Neuchâtel
Beschreibung
Tarockblatt von Joseph Henri Rochias, Neuchâtel, vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Unvollständig: 76/78. Es fehlen: Trumpf 15 (XVI / La Maison Dieu) und Trumpf 12 (XII / Le Pendu).
Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasst in allen vier Farben die vier Figurenkarten Roy (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat).
Das Spiel ist sehr sorgfältig gestochen und koloriert und damit von sehr hoher Qualität. Problematisch ist die Datierung 1816 auf der Denier 2: Joseph Henri Rochias kam als letzter Kartenmacher der Familie Rochias erst 1814 als Sohn des Jacques Rochias (*1753 - †1823) auf die Welt. Die Initialen "JR" auf der Coupes 2 und dem Trumpf 7 könnten somit für Jacques Rochias stehen. Die Signatur auf der Denier 2 wäre dann entweder nachträglich von Joseph Heri Rochias angepasst worden, was nach der Übernahme einer Kartenmacherwerkstatt durchaus üblich war. Weshalb in diesem Falle aber die Jahrzahl nicht auch verändert wurde, ist unklar. Die zweite Möglichkeit wäre eine bewusste Rückdatierung von Joseph Henri Rochias auf das Jahr 1816, aus welchem Grund auch immer.
Holzschnitt, schablonenkoloriert. Die Rückseite zeigt schwarze Punktmäander.
In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt.
Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Eingangsbuch II, S. 156:
76 Spielkarten. Auf einer derselben ist der Name JOSEPH. HENRI: ROCHAS=FABRICANT A: NEUCHATEL 1816. Br. d. Karten 59mm H. 122mm
Datierung
1816
Material / Technik
Karton, Holzschnitt, schablonenkoloriert
Maße
Blattmass : 12.2 x 6.0 cm
Klassifikation
Künstler*innen
Hersteller/in: Joseph Henri Rochias (1814 - 1851 ?), Kartenmacher
Inventarnummern
1907.0021.1-78
Inschrift
Beschriftung: JOSEPH.HENRI.ROCHIAS=FABRICANT A:NEUCHATEL.1816 (Deniers 2)
JR = Joseph (Jacques?) Rochias als Stecher (Coupes 2, Trumpf 7)
Trümpfe: XXI / LE MONDE., XX / LE JVUGEMENT, XVIIII / LE SOLEIL, XVIII / LA LVNE., XVII / LE STOILLE., XV / LE DIABLE., XIIII / TEMPERANCE=, XIII / LA MORT, XI / LA FORCE., X / LA ROVE.DE.FORTVN, VIIII / LEREMITE., VIII / JVSTICE, VII / JR / LECHARIOT=, VI / LAMOVREVX., V / LE.PAPE., IIII / LEMPEREVR=, III / LIMPERATRISE, II / LA.PAPESSE_, I / LE.BATELEVR_
Excuse: LE.MAT.
Könige: ROY.DE.BASTON, ROY.DE.SPEE, ROY.DE.COVPES, ROY.DE.DENIER
Königinnen: REINE.DE.BASTON, REINE.DE.SPEE, REINE.DE.COVPE, REINE.DE.DENIER
Ritter: CAVALIER.DE.BASTON, CAVALIER.DE.SPEE, CAVALIER.DE.COVPES, CAVALIER.DE.DENIER
Diener: VALET.DE.BASTON, VALET.DESPEE, VALET.DE.COVPES, VALET.DE.DENIER



























































































































































