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Spielnécessaire in Buchform für ein Tarockblatt mit Spielmarken
Beschreibung
Das Spielnécessaire in Buchform mit einem Tarock und Spielmarken aus dem Jahr 1778. Das Nécessaire besteht aus Karton. Der Buchrücken ist aussen Lederbezogen, aufwändig mit Wülsten und Goldprägung gestaltet und mit der Aufschrift: ALGEMEINER / ZEITVERTEIB / *GESAMMELT* / *1778* versehen. Die Buchdeckel sind mit einem Kleisterpapier bezogen, welches Leder imitiert. Die Buchseiten sind samt Bindewulst und Innenwölbung mit grünem Kleisterpapier glaubwürdig simuliert. Mit einem Messingstab, der durch eingebundene Verschlussösen gezogen wird, lässt sich das Nécessaire verschliessen.
Im Innern ist das Nécessaire vollständig mit marmoriertem Kleisterpapier ausgeschlagen. Die Breite des Innenfachs richtet sich passgenau nach einem lederbezogenen Etui (1933.67c) für ein ein Tarockblatt (78/78) von Franz Bernhard Schär aus Mümliswil (1933.67a.1-78). Dazu enthält es acht ebenfalls lederbezogene Schachteln für Spielmarken aus Holz.
Das Nécessaire wurde offenbar für die Bibliothek eines gehobenen Haushalt hergestellt. Leider ist nichts über die Vorbesitzer bekannt.
In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt.
Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Ein "Verstecken" des Spiels in einem Buch war in Solothurn also keine Erfordernis, da das Kartenspiel in Solothurn grundsätzlich erlaubt war. Vorbesitzer aus Solothurn ist nicht gesichert. Das Nécessaire könnte demnach also auch für einen Haushalt in einem Kanton hergestellt worden sein, der strengere Spielgesetze kannte.
Datierung
1778
Material / Technik
Karton, Leder, Goldprägung, Kleisterpapier, Messing
Maße
Länge x Breite x Höhe : 25.8 x 17.5 x 5.8 cm
Länge : Messingstab 25.2 cm
Klassifikation
Künstler*innen
Hersteller/in: Franz Bernhard (I.) Schär (1743 - 1800), Kartenmacher
Inventarnummern
1933.0067.b
Inschrift
Beschriftung: ALGEMEINER / ZEITVERTEIB / *GESAMMELT* / *1778*







