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Lateinisches Tarockblatt, Mümliswil

Beschreibung
Tarock von Franz Bernhard Schär, Mümliswil, vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Vollständig 78/78. Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasst in allen vier Farben die vier Figurenkarten Roy (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat). Die Beschriftung der Trümpfe und der Figurenkarten hat keine Wortabstände und bei einigen Karten mussten aus Platzgründen einzelne Buchstaben weggelassen werden. Ungewöhnlich ist die Beschriftung des Valet de Deniers, die seitlich rechts angebracht ist. Die Beschriftung der Zahlenwertkarten mit römischen Ziffern ist teilweise spielgelverkehrt und entsprechend verwirrend. Der Stecher, der mit FI K (Coupe 2) und FK (Trumpf 7) signierte, hatte offensichtlich Mühe mit der Umsetzung der Schrift auf den Druckblock. Das an sich sonst sehr schön gestochene Spiel reicht mit der dicht gedrängten und teils fehlerhaften Beschriftung qualitativ nicht ganz an die zeitgenössischen Spiele der Kartenmacher in den Städten Solothurn (Moser/Stelli, Graf/Iseli) und Freiburg (Burdel) heran. Die Rückseite der Karten weist ein Muster aus blauen Sternrauten auf, das möglicherweise mit einer Rollwalze aufgedruckt wurde. Das Spiel gehört in ein Spielnécessaire in Buchform aus dem Jahr 1778 (1933.67a-d). Tiel des Nécessaire ist eine Schachtel aus lederbezogenem Karton, die genau auf die Dimensionen der Karten von Franz Bernhard Schär abgestimmt ist. Wir können deshalb das Tarock trotz fehlender Jahrzahlangabe in der Signatur auf der Denier 2 sehr genau datieren. In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt. Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Datierung
1778
Material / Technik
Karton, schablonenkoloriert
Maße
Blattmass : 114.0 x 62.0 mm
Künstler*innen
Hersteller/in: Franz Bernhard (I.) Schär (1743 - 1800), Kartenmacher
Inventarnummern
1933.0067.a.1-78
Inschrift
Signatur: Denier 2: FRANTZ.BERNHARD.SCHAR.ET.GRAVER Coupes 2: FI/K [Stecher] Trumpf 7: FK Beschriftung: Trümpfe: XXI / LEMONDE, XX / LEIVGEMENT, XVIIII / LE SOLEIL, XVIII / LALVNE, XVII / LESTOILLE, XVI / LAMAISONDIEV, XV LEDIABLE, XIII / TENPERANCE, XIII, XII / LEPENDV, XI / LAFORCE, X / LAROVEDEFORTVN, VIIII / LERMITE, VIII / IVSTICE, VII / LECHARIOR, VI / LAMOVREVX, V / LEPAPE, IIII LEMPEREVR, III / LIMPERATRICE, II / LAPAPESSE, I / LEBATELEVR Excuse: 0 / LEMAT Bâtons: ROYDEBASTON, REYNDEBASTON, CAVALLIERDEBASTN, VALETDEBASTON, X, IIIIV, IIIV, IIV, IV, V, IIII, III, II Épées: ROYDESPEES, REYNEDESPEE, CAVALLIERDESPE, VALEDESPEE, X, VIIII, IIIV, VII, IV, V, IIII, III, II Coupes: ROYDECOVPE, REYNEDECOVPE, CAVALLIERDECOVPE, VALETDECOVPE, Coupe 2: FI / K Deniers: ROYDEDENIER, REYNEDEDNIER, CAVALLIERDEDENR, VALET DE DENIER, Denier 2: FRANTZ.BERNHARD.SCHAR.ET.GRAVER.