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Prozessionsorgel aus dem Kloster Namen Jesu
Beschreibung
Chororgel, 1669 von Johann Christoph Albrecht (1662-1726) für das Kloster Namen Jesu in Solothurn erbaut. 1985/1986 umfassend restauriert und spielbar gemacht durch die Orgelbau Kuhn AG, Männedorf.
Laut Stimmschema hat das Instrument eine 1/5-Komma-Stimmung, d.h. 11 Quinten werden um 1/5 des syntonischen Kommas (Frequenzverhältnis 81/80 = 21.5 Cent, 100 Cent = 1 Halbton) verkleinert gestimmt (in der modernen gleichstufigen Temperierung werden alle 12 Quinten um ca. 1/12 des Kommas verkleinert, damit es aufgeht und alle genau gleich sind). Dies ist eine etwas gemilderte Form der von der Renaissance bis in den Spätbarock gebräuchlichen Mitteltönigen Temperierung, bei welcher 11 Quinten um 1/4 Komma verkleinert werden, was 8 reine Grossterzen ergibt. Die bei beiden Temperierungen ungleich grossen Stufen lassen die Musik jener Zeit spannungsvoller und lebendiger klingen, dafür sind bestimmte Tonarten ganz unbrauchbar.
Das Schema gibt auf der unteren Achse an, wie man mit einem Stimmgerät, dessen Stimmton man mindestens zwischen 438 und 442 Hz und mit Abweichungen von mindestens ±7.5 Cent einstellen kann, diese Temperierung legen kann.
Auszug aus dem Restaurierungsbericht der Firma Orgelbau Th. Kuhn, Männedorf 1986:
"Ausgeführte Arbeiten:
Windlade :
- Rekonstruktion Prospekt
- Prospektstock auf originale Höhe angesetzt
- Bohrungen geöffent
- Verführungen C-ds beim 1' eingesetzt
- Anschluss der Gehäusefriese an den Prospektstock nach
Vorbild Buchenberg (Foto 26)
- Neues Rasterbrett für 1' und 1 1/3' (Innenpfeifen)
- Sperrholzbrett vorn Ladenfundament entfernt
- Schiede in diesem Bereich mit Massivholz angesetzt
- Ventilseite der Lade mit Pergament bezogen
- Ventile neu beledert
- Neue Messingfedern durch Stahlfedern ersetzt
- Stecheranschlag beledert
- Tasten mit Pergament scharniert
- Alte Holzpfeifen instandgesetzt
- Fehlende Pfeifen rekonstruiert
- Metallpfeifen nach Vorbild Berornünster (Foto 14,19,20,21)
Gehäuse
- Unterbau nach hinten angesetzt, Profile ergänzt
- Türen und Beschläge rekonstruiert (Vorbild Buchenber<
- Schnitzereien instandgesetzt, fehlende Teile rekonstruiert
Balganlage rekonstruiert"
Auszug aus dem Jahresbericht 1985 des Historischen Museums Blumenstein:
"0 kehr' zurück!
Wir hatten mal eine kleine Orgel. Lang lang ist's her. Der damalige Konservator, sonst nicht eben karteibeflissen, beehrte das Stück sogar mit einer provisorischen Inventarkarte: "Prozessions-Orgel, in furchtbar schlechtem Zustande aber vom Orgelexperten als erhaltenswert bezeichnet; musste vor der Restauration der Jesuitenkirche "geräumt" werden und wurde mir einfach angehängt. Weitergegeben an Lokomotivführer Walter Bögli." Das "gegeben" war leicht beschönigt: der Käufer bezahlte Fr. 100.-- dafür, die der Konservator weiterreichte an eine kirchliche Institution, die keinerlei Anspruch darauf hatte. Alles nicht sehr legal, aber inzwischen längst rechtskräftig. Unser Kommissionspräsident, Dr. Charles Studer, behielt jedoch die Sache im Auge und dank seiner freundlichen Zusprache schenkte uns Herr Bögli sogar einen beträchtlichenchen Teil des Rückkaufpreises und die Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Volksbank leistete einen namhaften Beitrag an die Restaurierungskosten. Es handelt sich um die älteste Orgel in Solothurn, erbaut 1696 durch Johann Christoph Albrecht aus Waldshut für das Kloster Nominis Jesu."
Auszug aus dem Jahresbericht 1986 des Historischen Museums Blumenstein:
"Da die Fachkommission für 1986 die Priorität aufs Inventarisieren legte, mussten wir uns für das übrige Jahr mit einer einzigen Ausstellung begnügen. Sie galt unserer zurückerworbenen Atbrecht-Orget von 1696 (vg1. Jahresbencht 1985), welche durch die Firma Th. Kuhn AG, Männedorf, fachmännisch und termingerecht restauriert worden war."
Zitat aus einem Vortrag von Dipl. Ing. Leberecht Thiele, Königsfeld, Deutschland, von 2019:
"Die Orgel, die 1696 für das Kloster "Nominis Jesu" (im Namen Jesu) in Solothurn gebaut wurde, ist die kleinste der vier noch existierenden Orgeln [von Johann Christoph Albrecht (1662-1726)] und um es gleich zu sagen, es ist leider außer dem Gehäuse NICHTS mehr vom Orgelbauer Albrecht vorhanden, schade!
Das Örgelchen hat eine sehr bewegte Geschichte. Sie wurde mit vier Registern (Gedeckt 4’, Principal 2’, Quint 1½’ und Octav 1’) erbaut. Wie offensichtlich alle Orgeln Albrechts (und sicher einige seiner Zeit) ist die untere Oktave gebrochen (CFDGEABHC). Die Ausstattung mit einem 4’-Register als tiefstem Register ist vermutlich dem zur Verfügung stehenden Raum, in dem das Örgelchen aufgestellt werden sollte zu schulden.
Im 19. Jahrhundert wurde das Instrument in die Jesuitenkirche von Solothurn umgesetzt. Sie wurde im Laufe der Zeit beschädigt, Pfeifen wurden gestohlen und 1950 ging der Rest der Orgel in Privatbesitz (für 100 Sfr!) über. 1984 wurde, mit dem Ziel der Restaurierung, die Orgel vom Museum Blumenstein in Solothurn erworben und durch die Fa. Orgelbau Kuhn AG, Männedorf restauriert. Es war, wenn man es ernst nimmt, ein Neubau im alten Gehäuse auf der Basis der Kenntnis über das Originalinstrument (z.B. Reste von Pfeifen, von denen man die Maße, also die Mensur der Pfeifen u.s.w. entnehmen konnte)"
Datierung
1696
Material / Technik
Tannenholz, farbig gefasst
Maße
Höhe x Breite x Tiefe : 164.5 x 91.0 x 115.0 cm
Klassifikation
Künstler*innen
Hersteller/in: Johann Christoph Albrecht (27.07.1662 - 1726), Orgelbauer
Inventarnummern
1985.0001
















