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Lateinisches Tarockblatt, Marseille
Description
Tarockblatt von François Chosson, Marseille, vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Vollständig 78/78.
Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasst in allen vier Farben die vier Figurenkarten Roy (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat).
Über François Chosson ist bisher nur wenig bekannt. Am 21. April 1736 übergibt Chosson in Marseille je ein Exemplar eines Einpackpapiers seiner Karten der Zunft der Kartenmacher und der Polizeibehörde in Marseille. Wir können davon ausgehen, dass Chosson seine Werkstatt kurz zuvor eröffnet hat. Der Druckstock von Chossons Tarock ist jedoch älter. Auf der Denier 2 ist in der Signatur die Jahrzahl 1672 zu erkennen. Aufgrund der etwas kleineren Schrift und ihrer stärkeren Krümmung ist anzunehmen, dass Chosson seinen Nachnamen hier nachträglich eingefügt hat, was bei der Übernahme einer Kartenmacherwerkstatt durchaus üblich war. Die Initialen "GS" auf Trumpf 7 und Coupes 2 sind entweder jene des Stechers oder des Vorgängers von Chosson, der 1672 den Druckstock in Auftrag gegeben hat. Die Beschriftung ist einige wenige Auslassungen und Fehler auf. Beim Valet de Deniers steht die Beschriftung seitlich rechts.
Wie das Spiel in den Besitz von Frau Müller-Allmend in Bellach kam, ist nicht bekannt.
In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt.
Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Dieses Tarock wurde von Yves Reynaud 2013 als Faksimile neu herausgegeben (2015.33 und 2015.34).
Dating
1736
Material / Technique
Karton, Holzschnitt, schablonenkoloriert. Rückseite: Rollwalze, Lilienrauten.
Dimensions
Höhe x Breite : 118.0 x 62.0 mm
Classification
Artists
Hersteller/in: François Chosson, Kartenmacher
Object-related numbers
1937.0024.01-78






































































































































































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