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Lateinisches Tarockblatt, Mümliswil / Solothurn ?

Description
Tarock wohl vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Unvollständig 5/78. Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasste ursprünglich in jeder der vier Farben vier Figurenkarten, Roi (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat). Holzschnitt auf Karton, schablonenkoloriert. Rückseite: Pfeilrauten, schwarz mit Rollwalze aufgetragen. Der Kartenmacher dieser Karten ist noch nicht bestimmt. Aufgrund der Provenienz Anna Glutz von Blotzheim dürfte es sich aber um ein Spiel aus Solothurn oder Mümliswil handeln. Erhalten sind die Trümpfe 14 und 4, der Kelch-König, die Münzen 7 und die Münzen 1. In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt. Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Dating
1750
Material / Technique
Holzschnitt auf Karton, schablonenkoloriert, Rückseite: Pfeilrauten-Rollwalze, schwarz
Dimensions
Blattmass : 12.2 x 6.7 cm
Artists
Object-related numbers
1901.0044.2.01-78