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Lateinisches Tarockblatt, Mümliswil
Description
Tarockblatt des Mümliswiler Kartenmachers Rochus Schär vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Unvollständig 76(128)/78.
Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasst in allen vier Farben die vier Figurenkarten Roi (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich dazu 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat).
Das Kartenbild zeigt Stäbe und Schwerter mit ausgebildeten Griffen, gerundete Kelche und Münzen mit Lilien in ihrem Zentrum. Die Coupes 2 zeigt am Fuss des Bildes ein gekröntes, herzförmiges Wappen mit drei Lilien vor gekreuzten Trompeten. Der Kelch auf der Coupes 1 ist monstranzartig und zeigt in seiner Mitte eine Sonne und einen Phönix. Die Deniers 4 zeigt ein gekröntes Phönix-Wappen vor gekreuzten Trompeten.
Die Beschriftungen auf den Karten sind sorgfältig gesetzt und weisen nur wenige Fehler auf. Der Druckstock wurde von einem erfahrenen Holzschneider hergestellt. Die Initialen J HB dürfen auf Trumpf 7 und der Coupes 2 dürfen auf den Holzschneider verweisen.
Holzschnitt auf Karton, schablonenkoloriert. Rückseite: Kleisterpapier, rot gesprenkelt.
Es handelst sich um ein Zusammenzug aus mehreren Spielen derselben Serie, die heute nicht mehr sicher auseinander gehalten werden können, insgesamt 128 Karten. Dennoch ist das Spiel unvollständig: 76(128)/78. Es fehlen: Bâtons 1 und Épées 1.
Dreifach vorhanden ist: Bâtons: V
Zweifach vorhanden sind: Trümpfe: 21, 17, 15, 14, 13, 12, 10, 7, 6, 5, 4, 2, 1, Excuse, Bâtons: C, 9, 7, 6, 5, 4, 3, 2, Épées: R, C, 10, 9, 8, 6, 5, 4, 3, Coupes: R, D, C, V, 9, 7, 6, Deniers: R, D, V, 10, 9, 8, 6, 5, 4, 3, 2, 1
Die Doubletten der Valets der Farben Coupes (54a und 54b) und Deniers (68a und 68b) unterscheiden sich. Dies lässt sich damit erklären, dass diese beiden Bilder mehrfach auf den Druckblöcken vorhanden waren (sieh dazu: Haas, Walter: Über ein Freiburger Tarock-Model).
In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt.
Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Eingangsbuch I, S. 15:
alte Spielkarten, mit Typen aus d. Zeit Ludwig XIV, aber erst 1750 [unleserliches Wort], 18tes Jahrh. eine trägt die Inschrift: Rochus Schax Cartier et Graveur 1750.
Dating
1750
Material / Technique
Holzschnitt auf Karton, schablonenkoloriert, Rückseite: Kleisterpapier rot gesprenkelt
Dimensions
Blattmass : 11.4 x 6.2 cm
Classification
Artists
Hersteller/in: Rochus (I.) Schär (1697 - 1773), Kartenmacher
Object-related numbers
1901.0044.1.01-78

































































































































































































































































