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Lateinisches Tarockblatt, Solothurn
Description
Tarockblatt des Solothurner Kartenmachers Conrad Iseli vom Typ "Tarot de Marseille" (Trumpf 5: Pape / Trumpf 2: Papesse). Unvollständig 76/78.
Das Spiel in den lateinischen Farben Bâtons (Stäbe), Épées (Schwerter), Coupes (Kelche) und Deniers (Münzen) umfasst in allen vier Farben die vier Figurenkarten Roi (König, K), Reine (Königin/Dame, D), Chevallier (Ritter, C), Valet (Diener, V) und je zehn Zahlwertkarten (X bis I) sowie zusätzlich dazu 21 feste Trümpfe (XXI bis I) und die Excuse (Le Mat).
Das Kartenbild folgt den Vorbildern des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Die Stäbe und Schwerter haben ausgebildete Griffe, die Kelche sind gerundet, die Münzen auf Deniers 10 bis 3 zeigen Lilien in ihrem Zentrum und die Deniers 4 zeigt ein gekröntes Phönix-Wappen mit gekreuzten Trompeten. Besonders interessant ist die Deniers 2, da sie auf die dort sonst übliche Signatur des Kartenmachers verzichtet und stattdessen ein einfaches Flechtmuster im die Münzen umgebenden Band zeigt.
Die Beschriftungen auf den Karten sind teilweise fehlerhaft bzw. verkürzt, die römischen Ziffern teilweise spiegelverkehrt. Die Denier 7 ist mit VI offensichtlich flasch beschriftet. Insgesmat scheint der Druckstock von einem wenig geübten Schnitzer hergestellt worden zu sein.
Die Initialen "GJ" auf Trumpf 7 verweisen sehr wahrscheinlich auf den Solothurner Kartenmacher Franz Joseph Graf (1745-1797) oder dessen Sohn Franz Joseph Graf [II] (1773-1804). Conrad Iseli (1757-1842) aus Mümliswil arbeitete in der Werkstätten von Joseph Stelli und Franz Joseph Graf als Geselle und kaufte von letzterem Werkzeuge für 292 Kronen, als er sich [1804?] in Solothurn selbständig machte (Affolter, Andreas 2015, JBSoG Band 88, S. 412ff.). Darunter dürfte sich auch der Druckstock dieses Tarock befunden haben. Neben den Initialen "GJ" weist vor allem der offensichtlich nachträglich eingesetze Namen Iselis auf der Coupes 2 darauf hin. Iselis Initialen "C.I" auf dem Épées Valet scheinen ebenfalls nachträglich eingefügt.
Holzschnitt auf Karton mit auffallend blauer Durckfarbe, schablonenkoloriert. Rückseite: Rollwalze mit Sonnenwaben.
Das Spiel ist unvollständig (76/78). Es fehlen der Trumpf 11 (XI / La Force) und die Deniers 6.
In Solothurn galt Tarock nicht als "jeu d'hazard" und war deshalb im Ancien Régime nicht verboten. Im Spielmandat vom 30. Dezember 1709 wird das Spiel, welches damals umgangssprachlich "Troggen" genannt wurde, explizit erwähnt und reguliert: "Herren undt Burger allhiesiger Statt [...] alle übrige Sonsten zu läßige Cartenspihl zu erlaubter zeit dergestalten moderat unnt mäßig spihlen Sollen, daß beÿ gebrauchung dero Selben kein merckhlicher Verlurst, Sondern eintzig und allein ein Ehrliche recreation unndt Kurtzweÿl gesucht werde, deßentwegen dan in dem Tarreau oder Troggenspihl der jetton oder Stich nicht mehrer dan ein halben batzen, der zeller aber ein Batzen oder zweÿ steüber gelten, unndt wärth Sein Solle" (StASO RM 1709, 1249). Das Spiel wurde also damals mit moderatem Einsatz gespielt.
Brigadier Beat Fidel Zurlauben aus Zug berichtet 1750 von Spielzirkeln in der Stadt Solothurn: "depuis cinq heures du Soir jusqu'à neuf, c'est la durée de ces Cercles, la conversation y est fort- inanimée, et hormis quelques oeillades, quelques Sourires et des eternumens, on y entend rarement prononçer d'autres mots que pique, Comete, bagade ou manille." (Acta Helvetica, Band 112, 62). Der Begriff "bagade" meint den Pagaten des Tarock (Trumpf 1, Le Bateleur).
Eingangsbuch II, S. 350:
Kartenspiel (Tarok), 76 Karten, von Conrad Iseli in Solothurn.
Dating
1804
Material / Technique
Karton, Holzschnitt, schablonenkoloriert
Dimensions
Blattmass : 114.0 x 62.0 mm
Classification
Artists
Hersteller/in: Conrad Iseli (1757 - 1842), Kartenmacher
Object-related numbers
1916.0098.01-78

























































































































































