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Katakombenheilige Clara

Description
Katakombenheilige Clara. Reliquiar in Form eines Schausarges mit Glasfront (2009.0002.1) und Deckel (2009.0002.2) vom rechten Seitenalter der Kirche des Klosters Namen Jesu in Solothurn. Der Körper stammt samt einer gläsernen Vase als Grabbeigabe [als Blutgefäss interpretiert] gemäss der von Giuseppe Vignoli am 30. November 1747 ausgestellten Authentik (2009.0002.3) aus der Priscilla-Katakombe in Rom (Catacombe di Priscilla). Reich gefasstes Skelett in der Position einer "Schläferin" und gekleidet als barocker Engel. Ein Schwert als Symbol für den gewaltsamen Tod sowie Palmwedel und Lorbeerkranz als Attribute eines Märtyrers. Die Knochen sind mit verleimter Gaze überzogen und der Körper reich mit Glassteinen, Granaten, Gold- und Silberfäden gefasst. Die Vase wurde im Zentrum unter einem Baldachin platziert. Schwertklinge datiert auf die Zeit des 30-jährigen Krieges, darauf ein Passauer Wolf als Schmiedemarke für Solingen. Griff 18. Jahrhundert. Vermittelt wurde die Katakombenheilige durch Kapuziner-Pater Michael Wickart aus Zug. Er stand mit der Fraumutter Johanna Rosalia Settier in Briefkontakt und sie übersandte dem Visitator in Luzern und ihm für die erfolgreiche Vermittlung der Gebeine eine Gabe von 40 bzw. 6 Kronen aus ihrem privaten Vermögen: "Für den Hl. Leib, zue bekomen hat die damahlige Muetter, Schwester Maria Johanna Rosalia Settier von Jhrem, lang Erspartem gelt, dem R: P: Visitator überschickht, aus Lucern geschickht: 40 [Kronen] Jtem, hat sie, widerumb, dem R: P: Michel, verEhrt, auch aus Jhremm Gelt, Für ein Zeichen, der Erkantlichkeit. 6 [Kronen]" (M318 IV). Der Klosterbedienstete Niclaus Schmidt holte die Gebeine in Luzern ab und traf am 28. Dezember 1752 im Kloster damit ein: "Der Hl. Leib, Jst, von Lucern ankomen durch unser Bedinnter Niclaus Schmidt, den 28. December Anno: 1752. Deo gratias." (M318 IV). Die Gebeine der Clara wurden am 9. Januar 1753 vom Probst des St. Ursenstifts und Generalvikar des Bistums Lausanne Georg Friedrich Sury rekognitiert: "Den 9.ten Januarÿ 1753. Jst solcher Hl. Leib Sanctae Clarae, von Jhro Gna- den Herren Probst. Eröffnet worden. Jn beÿsein R: P: Exprovincialis Christo- phorus und R: P: Vicarÿ Leuthfrid, Jhro Gnaden Herren Schuldheiss, von Roll, als unser geistlicher Herr Vatter. Sambt ganz adellichem Haus, wie auch unsers ganze Convent, mit dem Creütz [2009.0003], und zweÿ brennenden Liechteren, da Er eröffnet, jst er unversehrt. Sambt allen gebeinnen und Jhr Hl. Blueth jn einem Glass Sambt der auttentica gefunden worden. Mit höchster verWunde- ret darauf hat Jhro gnaden Herr Brobst das Hl. Haubt allen Gägenwärtigen zue küssen gäben." (M318 IV). Anschliessend fassten die Schwestern des Klosters die Gebeine. Es existiert im Archiv des Klosters Namen Jesu eine genaue Auflistung der Kosten und der Finanzierung dieser Arbeiten (M318 IV). Ob die Schwestern bei der Namensgebung mitwirken konnten, ist nicht bekannt. Es ist jedoch denkbar, dass bei der Namensgebung der Katakombenheiligen Bezug auf die Ordensgründerin Clara von Assisi nimmt. Im Mai 2013 wurde die Katakombenheilige Clara von Amelie Alterauge, Negahnaz Moghaddam, Thomas Becker und Sandra Lösch vom Anthropologischen Institut der Universität Bern untersucht. Für diese Untersuchungen wurden von Clara Röntgenbilder erstellt sowie für eine C14-Datierung und eine Isotopenanalyse deren erste rechte Rippe entfernt. Es stellte sich heraus, dass es sich bei Clara sehr wahrscheinlich um ein weibliches Skelett handelt, das bis auf wenige Rippen und Knochen an den Hand- und Fussgelenken komplett ist. Die Knochen passen in ihrer Grösse und Ausformung zusammen. Fremdknochen wurden keine festgestellt. Die Knochen wurden von den Schwestern anatomisch korrekt zusammengestellt. Die wenigen fehlenden Knochen wurden mit geschnitzten Holzteilen ergänzt. Die unbekannte Frau lebte im Zeitraum der Jahre 128 bis 315, stammte aus der Region von Rom, war 158.8 (+/- 3.9) cm gross und zum Zeitpunkt ihres Todes 20 bis 40 Jahre alt. Die Knochen zeigen keine krankhaften Veränderungen. Die Person litt zu Lebzeiten jedoch an schwerer Karies am kleinen und grossen Backenzahn oben rechts. Sie ernährte sich weitgehend vegetarisch mit etwas Süsswasserfisch, was auf einen eher tiefen sozialen Status hinweist. Die in der Authentik von 1747 postulierte Provenienz der Gebeine aus der Priscilla-Katakombe in Rom ist somit glaubhaft. Unbekannt bleibt der eigentliche Name der Frau, deren Biografie und letztlich auch deren Religionszugehörigkeit. Für einen gewaltsamen Tod spricht nichts. 1971 wurde die Katakombenheilige im Rahmen einer Purifizierung aus der Klosterkirche entfernt. Die Schwestern lagerten Clara zusammen mit den Katakombenheiligen Candidus (2009.0001) im Estrich ein und bewahrten so beide ohne weitere Veränderung. 2008 überliessen die Schwestern die beiden Katakombenheiligen dem Museum Blumenstein als Schenkung.
Dating
1747 1753
Material / Technique
Holz, Bein, Textilien, Glas, Silber- und Goldfäden
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe : 147.0 x 234.0 x 65.0 cm
Object-related numbers
2009.0002.1